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# Digitaler Kapitalismus - Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit

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Quelle: Eigene Berechnungen nach Penn World Tables (Output-side real GDP at chained PPPs).

Folgt man Wolfgang Streeck, waren es gerade die hohen Wachstumsraten der goldenen Jahre des Fordismus, die es erlaubten, jene Institutionen zu errichten, die den Konflikt zwischen dem Profitmotiv des Kapitalismus und der Legitimationsbedürftigkeit der Demokratie zeitweise befriedeten. Starke Gewerkschaften erstritten steigende Löhne, im Rahmen expandierender Wohlfahrtsstaaten wurde in die soziale Infrastruktur investiert. Im Gegenzug verzichteten Gewerkschaften und sozialdemokratische Parteien auf weiterreichende Ambitionen wie die Vergesellschaftung der Produktionsmittel oder die Überwindung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse.

Analytisch steht bei einer solchen Beschreibung die Entwicklung sozialer Ungleichheit im Zentrum, die der Kapitalismus systematisch produziert, aber nicht aus sich heraus wieder tilgt. Diese Ungleichheit untergräbt aber die Legitimität der demokratischen Ordnung. Kapitalismus und Demokratie stehen daher, so Streeck, in einem systematischen Spannungsverhältnis. Im Fordismus war dieser Konflikt nur zeitweise stillgestellt.

Die Demokratie vor dem Kapitalismus retten

Mit dem Einbruch der Wachstumsraten geriet der historische   
Kompromiss zwischen Demokratie und Kapitalismus unter   
Druck. Sollten soziale Anrechte und Wohlfahrtsleistungen   
gekürzt werden, um weiterhin steigende Profite zu   
ermöglichen? Oder würde dies im Rahmen der   
Systemkonkurrenz des Kalten Krieges antikapitalistische Kräfte   
stärken, die dann ihrerseits zu einer Bedrohung für die liberale   
Demokratie werden könnten?

Letztlich drückte man sich damals um Antworten auf diese

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Fragen. Lohneinbußen waren gegen starke Gewerkschaften, deren Mitglieder vor dem Hintergrund der Erfahrungswerte der vorangegangenen Wachstumsperiode hohe Zuwächse erwarteten, ohnehin nicht durchzusetzen. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929ff., die vielen als Ursache von Faschismus und Weltkrieg galt, wurden auch höhere Arbeitslosenraten nicht als gangbarer Weg betrachtet.

So wurde eine ganze Reihe politischer Maßnahmen ergriffen, um Einbrüche der privaten Nachfrage zu verhindern oder auszugleichen. Zunächst nutzte man hierzu die Geldpolitik und setzte auf eine Strategie moderater Inflation. Durch die Erhöhung der Geldmenge wurden die Gewerkschaften ermuntert, weiterhin hohe Tarifabschlüsse zu fordern; ein weiteres Absinken des Massenkonsums wurde so zeitweise verhindert (Streeck 2013).

Diese Politik des lockeren Geldes geriet allerdings schon zehn Jahre später in die Kritik. Zum einen entwertet Inflation Vermögen, was das Gelddrucken aus Sicht der Kapitalbesitzer langfristig hochgradig problematisch machte. Dabei fanden sie sich in einer eigentlich unwahrscheinlichen Interessenkoalition mit den durchschnittlichen Konsumenten wieder: Da hohe Inflationsraten sich zeitversetzt auch in einem Anstieg der Verbraucherpreise niederschlagen, waren diese Maßnahmen irgendwann auch bei jenen Gruppen nicht mehr sonderlich populär, die zuvor von Lohnsteigerungen profitiert hatten.

Mit dem Ende der Inflationspolitik betrat in den späten siebziger Jahren das Gespenst der Arbeitslosigkeit in vielen Kernländern des Spätfordismus wieder die Bühne. Arbeitslosigkeit bedeutete nicht nur unmittelbare Legitimationsprobleme für die Arbeitsgesellschaften jener Zeit, sondern hatte auch indirekt negative Effekte: Steigende Arbeitslosigkeit führte nicht nur zu höheren Sozialausgaben, sondern zugleich zu einem Rückgang der privaten Nachfrage, so dass ein Teufelskreis aus sinkender Nachfrage, geringeren Profiten, Stellenstreichungen und schließlich noch höheren Sozialtransfers drohte.

Auch hier variieren die nationalen Pfade, am Ende führten sie jedoch überall zum gleichen Ergebnis: öffentlichen Schulden. In Italien und Frankreich hatte der Staat zahlreiche Schlüsselindustrien unter seiner Kontrolle, was nun genutzt wurde, um realistische Marktlöhne und entsprechende Nachfrageeinbrüche zu verhindern. Großbritannien, Österreich, die skandinavischen Länder und in geringerem Ausmaß auch die USA setzten auf klassischere keynesianische Methoden: Sie investierten hohe Summen, um den Massenkonsum zu stabilisieren, einen Anstieg der Arbeitslosigkeit abzuwenden und die Nachfrage zu stimulieren. In allen genannten Fällen lief dies auf eine Expansion der Staatsschulden hinaus, zumal die Kosten der Sozialsysteme anstiegen. In Deutschland und Japan setzte diese Dynamik etwas später ein, da beide Länder angesichts der nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst schwachen Binnennachfrage auf exportgetriebenes Wachstum gesetzt hatten. Der Rückgang des heimischen Konsums traf sie daher in entsprechend geringerem Ausmaß.

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Gegen Ende der siebziger Jahre stieß diese Politik langsam, aber sicher an ihre Grenzen. Noch waren die Gewerkschaften mächtig und trotz satter Lohngewinne oft unerwartet militant – man denke nur an den von Margaret Thatcher gebrochenen Bergarbeiterstreik 1984/85. Gleichzeitig wurden mit dem Aufstieg neoliberaler Wirtschaftstheorien die wachsenden Staatsschulden zu einem systematischen Problem. Steuersenkungen wurden – zunächst in den USA und Großbritannien, später in anderen Teilen der OECD-Welt – mit noch größeren Haushaltsdefiziten, aber auch mit Kürzungen von Sozialausgaben, mit Einschnitten beim Wohlfahrtsstaat, einer Schwächung der Gewerkschaften und ganz allgemein mit wachsender sozialer Ungleichheit erkauft (vgl. Crouch 2008).

Den in dieser Politik angelegten Legitimationsrisiken begegnete man unter anderem durch eine Restrukturierung des fordistischen Produktions- und Akkumulationsmodells. Dieser Wandel ist häufig als Tertiarisierung, also als Verschiebung der Beschäftigungsschwerpunkte vom sekundären (Industrie) zum tertiären Sektor (Dienstleistungen) beschrieben worden (Fourastié 1954; Bell 1973; Häußermann/Siebel 1995), wobei

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auch diese Transformation auf unerwarteten sozialen Koalitionen aufbauen konnte. Einerseits waren die Staaten an der Expansion neuer Arbeitsmärkte interessiert, die die Modernisierungsverlierer aus dem industriellen Sektor aufnehmen und so dem Problem sinkender Nachfrage entgegenwirken sollten. Andererseits war das fordistische Produktionsregime auch von innen, also von Seiten der Beschäftigten, unter Rechtfertigungsdruck geraten (vgl. Boltanski/Chiapello 2003). Dies betraf keineswegs nur die Löhne oder das erlahmende Interesse an industriellen Massengütern. Der Widerstand der Beschäftigten hatte sich schon während der sechziger und siebziger Jahre auch direkt gegen die tayloristischen Produktionsmethoden und die betriebliche Herrschaft gerichtet (Edwards 1979). In dieser Hinsicht versprachen Dienstleistungsjobs ein größeres Maß an Autonomie und Selbstständigkeit (Bell 1973).

Auch das Akkumulationsmodell der sich tertiarisierenden Kapitalismen änderte sich. Wachstum wurde nun vor allem in der deregulierten Finanzindustrie generiert. Gleichzeitig setzte die Tertiarisierung eine neue Logik sozialer Polarisierung in Gang. Neben dem Aufstieg akademischer Funktionseliten – in der Soziologie spricht man von den akademischen Dienstklassen (Erikson/Goldthorpe 1993) – bildete sich am anderen Ende der Hierarchie ein neuartiges Dienstleistungsproletariat heraus (Blossfeld/Mayer 1991; Staab 2014; Bahl/Staab 2015). Auf der Basis vergleichsweise geringen Produktivitätswachstums (Baumol 2013) und niedriger gewerkschaftlicher Organisationsgrade entstand ein neuer Niedriglohnsektor mit einer spezifischen Klassenfraktion.

Der Interessensausgleich zwischen den neuen Unterschichten und den Gewinnern des sozialstrukturellen Wandels wurde, so lässt sich zumindest mit Colin Crouch (2009) für die USA argumentieren, über die Expansion privater Schulden ermöglicht. Als sich die Clinton-Administration in den neunziger Jahren der Haushaltskonsolidierung verschrieb und die öffentlichen Ausgaben weiter drosselte, während das Wachstum nicht ansatzweise die aus der Hochzeit des

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Fordismus bekannten Raten erreichte, schlug die Stunde der privaten Konsumkredite. Im »privatisierten Keynesianismus« (Crouch 2009) der späten neunziger und frühen nuller Jahre waren nun zunehmend die Konsumenten für die Stabilisierung der Nachfrage zuständig. Die Politik unterstützte das, indem sie die Bonitätsstandards bei der Kreditvergabe absenkte und den Finanzsektor deregulierte.

In der Folge wuchsen die Schulden, die nicht von Banken oder anderen Finanzinstitutionen gehalten wurden, in den westlichen Industrieländern zwischen 1980 und 2011 von 167 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 314 Prozent (Cecchetti/Mohanty/Zampolli 2011). Von diesem Anstieg um 147 Prozentpunkte entfiel der größte Teil auf private Haushalte (56 Punkte), deren Schulden stärker zunahmen als die der Unternehmen (42 Punkte) und der öffentlichen Hand (49 Punkte) (ebd.). In den USA, aber auch in Spanien und anderen Ländern wurde der Großteil der privaten Konsumschulden im Immobiliensektor investiert. In Erwartung weiterer Wertsteigerungen, die die steigenden Kreditzinsen mehr als ausgleichen sollten, verschuldeten sich Immobilienkäufer weit über Gebühr. So waren die Schulden der privaten Haushalte in den USA im Jahr 2010 auf 13,4 Billionen Dollar, also 92 Prozent des BIP, gewachsen. Die Kreditblase platzte schließlich im Sommer 2007, die Krise erfasste in der Folge rasch den Bankensektor und über Umwege den Euro-Währungsraum. Nach Inflation und Staatsschulden erwies sich damit auch der privatisierte Keynesianismus als Sackgasse bei dem Versuch, die Nachfrage durch die Konsumption zukünftigen Wachstums (denn nichts anderes sind Schulden) zu sichern. Es ist keineswegs Zufall, dass just in diesem Moment das kommerzielle Internet und seine Leitunternehmen in den Mittelpunkt der kapitalistischen Reorganisation traten. Bevor wir uns in analytischer Hinsicht dem Kern des digitalen Kapitalismus zuwenden, müssen wir allerdings die Übergänge zwischen Fordismus und Postfordismus in heuristischer Hinsicht erschließen.

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Vom Fordismus zum Postfordismus

Der politische Teil der politischen Ökonomie war seit den Wachstumseinbrüchen Anfang der Siebziger   
schwerpunktmäßig mit dem Kaufen von Zeit durch Inflation und Schulden befasst (Streeck 2013). Die im engeren Sinne ökonomischen Reaktionen auf die Veränderungen bei   
Produktivitätsgewinnen und Nachfrage fanden freilich   
innerhalb der Unternehmenswelt selbst statt, wo Krisen   
historisch schon häufig zu Transformationen der   
vorherrschenden Produktionsmodelle geführt haben. Denkt man weniger an den strukturellen Wandel von   
Akkumulationsmustern (Tertiarisierung, Finanzialisierung) und stärker an die Veränderungen des Produktionsmodells in   
beispielsweise der Automobilindustrie, werden auch dort   
ambitionierte Versuche der Erneuerung sichtbar   
(Jürgens/Krzywdzinski 2016). Das womöglich wichtigste dieser Programme war die Lean Production bzw. der »Toyotismus« (Dhose/Jürgens/Malsch 1984), bei dem, ganz ähnlich wie heute bei der Industrie 4.0, das Erzielen von Effizienzgewinnen durch die stärkere Integration der Lieferketten (»just in time«) in der Industrie und die engere Vernetzung der EDV im Bereich von Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben im Zentrum standen. Schon vor dem Aufkommen der Lean Production war die   
stärkere Individualisierung von Gütern zu einem Schwerpunkt der Restrukturierung der industriellen Produktion geworden. Die sukzessive und bis heute anhaltende Abkehr von   
standardisierten Massenprodukten war ebenfalls ein Versuch, Konsumenten für neue Waren zu interessieren, die sie unter reinen Nutzenerwägungen womöglich nicht gebraucht hätten.

In kapitalismustheoretischer Hinsicht stehen diese Entwicklungen – Individualisierung der Produktion, Lean Production, aber auch Finanzialisierung und Tertiarisierung – für den Übergang zu einem neuen Typus von Kapitalismus, der vielfach als Postfordismus beschrieben worden ist (vgl. Hirsch/Roth 1986; Dörre/Brinkmann 2005). Erneut kann die Regulationstheorie heuristische Klarheit bezüglich der

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Unterschiede herstellen. Insbesondere auf der Ebene des Produktionsmodells lassen sich zwar recht grobkörnige, aber doch spezifische Unterschiede herausarbeiten: Idealtypisch gesprochen, dominierten im Fordismus hierarchische Modelle, die Unternehmensführung funktionierte primär über direkte Anweisungen innerhalb vertikal integrierter Großbetriebe. Dieses relativ starre Modell bot den einzelnen Beschäftigten kaum Spielräume, versprach aber im Gegenzug berechenbare Karriereoptionen. Vor dem Hintergrund relativ »fester   
Kopplungen« (Kirchner/Beyer 2016) der Einzelnen an die Unternehmen entwickelten sich zudem die erwähnten   
betriebsbürgerlichen Beteiligungsrechte (über unbefristete Arbeitsverträge, sich sukzessive erweiternde   
Mitbestimmungsmöglichkeiten oder betriebliche   
Altersvorsorge).

Dem steht im Postfordismus eine stärkere Ausrichtung der Unternehmen an den Finanzmärkten gegenüber. Als sich die Organisationsform der Aktiengesellschaft immer weiter ausbreitete, wurde die Orientierung am Shareholder-Value zu einem zentralen Steuerungsprinzip (Höpner 2003). In der Praxis bedeutete das häufig, dass weniger profitable Unternehmensteile jenseits der Konzernkerne als selbstständige Einheiten organisiert wurden, so dass die integrierten hierarchischen Strukturen des Fordismus eher die Form eines dezentralen Zulieferersystems annahmen. Konnten die Belegschaften in den industriellen Kernen ihre erreichten Wohlfahrtspositionen oft sichern oder gar ausbauen, nahm die Wahrscheinlichkeit, in den Genuss historisch entstandener Betriebsbürgerrechte zu gelangen, mit der Entfernung zu den Kernen sukzessive ab. In Form von Leih- und Zeitarbeit kamen prekäre Arbeitsverhältnisse auch innerhalb einzelner Produktionsstätten an, wo nun Beschäftigte mit unterschiedlichen Anrechten teilweise Seite an Seite arbeiteten (vgl. Nachtwey 2016a).

Der privilegierte Status der Kernbelegschaften war in der fordistischen Konstellation auch aus einer spezifischen Beziehungsstruktur zwischen Unternehmen und ihren Märkten heraus entstanden: Klaus Dörre und Ulrich Brinkmann sprechen in diesem Zusammenhang von einem »Primat der Produktions- über die Marktökonomie« (2005: 88). Gemeint ist damit der bereits angesprochene Punkt, dass die großen Industrieunternehmen es mit weitgehend ungesättigten Verbrauchermärkten bei gleichzeitig steigender Kaufkraft der Konsumenten zu tun hatten. Diese einzigartige Kombination erlaubte es den Firmen, in großen Mengen hochgradig standardisierte Produkte an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Dabei konnten sie zudem die Preise relativ gut kontrollieren, da die für den Fordismus typischen, von echter globaler Konkurrenz noch freien Oligopolmärkte Preisdumping verhinderten (Sweezy/Baran 1966). Die großen Produzenten, nicht die anonymen Mechanismen eines neutralen Marktes, bestimmten federführend die Preise und konnten sich entsprechend hohe Renditen sichern.

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Dieses Primat gegenüber dem Markt ermöglichte es zugleich, die Beschäftigten der Kernindustrien vor Marktrisiken abzuschirmen und ihnen berechenbare Aufstiegsmöglichkeiten zu bieten. Als das Wachstum einbrach, wurde dies zu einem systematischen Problem: Die Beschäftigten hatten sich so sehr an konjunkturunabhängige Lohngewinne gewöhnt, dass die Gewerkschaften diese länger durchsetzten, als es für die Profite der Unternehmen nachhaltig war.

Im Postfordismus änderte sich die Beziehung zwischen Unternehmen und Märkten. Durch die Globalisierung sowie die Liberalisierung des internationalen Handels nahm auf vielen Märkten die Konkurrenz zu, die Preise und damit auch die Profite der etablierten Unternehmen gerieten unter Druck. Idealtypisch gesprochen, verwandelte sich das Primat der Produktion über den Markt in sein Gegenteil. Marktmechanismen entschieden nun über die Strukturierung wirtschaftlicher Prozesse. Dies gilt nicht nur für die Konkurrenz zwischen Unternehmenskernen – etwa zwischen einem deutschen und einem südkoreanischen Automobilhersteller. Als Steuerungsprinzip wurde der Markt auf zwei weiteren Ebenen immer wichtiger: innerhalb der stärker dezentral organisierten

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Netzwerke der postfordistischen Unternehmen; und bei der Kontrolle der Arbeit in den jeweiligen Betrieben selbst (Brinkmann 2011; Marrs 2008).

Als Leitbild des fordistischen Kontrollmodells gilt üblicherweise der tayloristische Arbeitsprozess, also die starke Zergliederung einzelner Tätigkeiten (typischerweise am Fließband) und die Trennung von Hand- und Kopfarbeit (vgl. Braverman 1975), wobei Bürotätigkeiten ebenfalls weitgehend standardisiert wurden. Der neue Kontrollmodus (Dörre/Röttger 2003; Sauer 2011) des Postfordismus gewährt einzelnen Beschäftigten oft deutlich größere Spielräume, mutet ihnen im Gegenzug aber auch immer mehr Marktrisiken zu – etwa wenn die Bezahlung direkt an den Erfolg ihrer Abteilungen gekoppelt wird, während es den jeweiligen Einheiten weitgehend selbst überlassen bleibt, wie sie ihre Ziele erreichen. Zielvorgaben, interner Wettbewerb und Konkurrenz zwischen verschiedenen Teilen eines Wertschöpfungszusammenhangs (etwa zwischen Festangestellten und Leiharbeitern) sind die entscheidenden Instrumente dieser Herrschaftsform.

So dramatisch die Veränderungen im Übergang der fordistischen zur postfordistischen Konstellation für Individuen, Unternehmen und nationale Wirtschaftsräume auch waren, die erhofften Effekte stellten sich nicht ein. Zwar konnten moderate Produktivitätsgewinne gesichert und die Profite ein Stück weit stabilisiert werden. Dies geschah jedoch zu großen Teilen auf Kosten der abhängig Beschäftigten. So ging der Anteil der Produktivitätsgewinne, den Beschäftigte in Form von Lohnsteigerungen für sich reklamieren können, in zwei Dritteln der OECD-Länder zurück (Schwellnus/Kappeler/Pionnier 2017). Auch wegen dieser Reallohnstagnation wurde es notwendig, die Nachfrage durch immer neue Schulden zu stützen.

Ein neues Akkumulationsregime in the making[26]

Die beschriebenen Unterscheidungen zwischen fordistischem und postfordistischem Produktionsmodell haben natürlich stark heuristischen Charakter und ebnen empirisch vorhandene Unterschiede, Pfadabhängigkeiten und die Trägheit bestimmter Elemente ein. Allerdings geht es mir hier auch nicht um eine möglichst differenzierte Beschreibung von Fordismus und Postfordismus, sondern darum, idealtypische Konstellationen herauszupräparieren, mit deren Hilfe sich die Kontraste zum digitalen Kapitalismus schärfer konturieren lassen.

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Um die Reichweite dieses Vergleichs korrekt einzuordnen, muss man freilich die historische Arithmetik von Produktion, Akkumulation und Regulation verstehen: Ein spezifischer Regulationsmodus entsteht zu großen Teilen als Anpassung von Politik und Gesellschaft an soziale Probleme, die sich aus der Dynamik einer spezifischen Form der Ökonomie ergeben – oder in Streecks Dramaturgie: um den Kapitalismus demokratiefähig zu machen. Die Expansion des Wohlfahrtsstaates und die starke Rolle der Gewerkschaften sind beispielsweise als Reaktion auf die mit dem tayloristischen Produktionsregime verbundenen sozialen Verwerfungen und die potenziell hochgradig ungleiche Akkumulation der Profite zu verstehen. Produktionsmodelle und Akkumulationsweisen eilen also historisch ihrer gesellschaftlichen Einhegung voraus. In Bezug auf den digitalen Kapitalismus bedeutet dies nichts anderes, als dass wir zwar Produktionsweisen und Akkumulationsstrategien beschreiben können. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass in der Gegenwart von einem bereits hochgradig elaborierten Regulationsmodus für die speziellen Probleme der digitalen Ökonomie gesprochen werden kann – wenngleich Ansätze in dieser Richtung vielerorts beobachtbar sind.

Zwar ist digitale Technologie heute fast überall. Das kommerzielle Internet im engeren Sinne ist jedoch ein eigenes ökonomisches Feld, an dessen Bewegungslogik sich die hoch technisierten Gesellschaften der Gegenwart politisch und regulatorisch erst anzupassen begonnen haben. Zudem ist das Akkumulationsregime des digitalen Kapitalismus heute wohl noch nicht hegemonial, und es ist keineswegs sicher, dass es in Zukunft eine solche Dominanz erlangen wird – auch wenn die

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