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# Digitaler Kapitalismus - Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit

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Zwar ist insbesondere Apple dafür bekannt, Apps von Drittanbietern aus Geschäftsinteressen auszusortieren. In der Vergangenheit lief die Entwicklung der Unternehmen jedoch eher in die entgegengesetzte Richtung: Das Angebot wuchs und wuchs. Mit ihm stiegen auch die Umsätze der App-Stores, was sich für Google und Apple in Profiten aus Marktbesitzrenten niederschlägt. Die Datenlage ist hier undurchsichtig. Der folgende Überblick speist sich daher aus zahlreichen Quellen, deren Akkuratesse nur bedingt überprüfbar ist. Weder Google noch Apple veröffentlichen den Umsatz ihres App-Stores, es lassen sich allerdings verschiedene Quellen mit Schätzwerten finden (Schaubild 5).

Laut den von mir und meinem Team zusammengetragenen Daten machte der Play-Store 2017 einen Anteil von 18,1 Prozent an Googles Gesamtumsätzen aus. Ganz ähnlich verhält es sich bei Apple. Die Fixierung der Analysten auf Apples Hardware-Linie, aus der nach wie vor der Löwenanteil der Profite stammt, verstellt daher den Blick auf die eigentliche kapitalistische Innovation.

App-Stores sind so etwas wie die Archetypen proprietärer Märkte im kommerziellen Internet, weil sich die Logik der Generierung ökonomischer Renten aus Marktbesitz hier am klarsten beobachten lässt: Apple beispielsweise behält dreißig Prozent jeder finanziellen Transaktion, die in seinem proprietären System erfolgt, als Marktbesitzrente ein. Dass diese Entwicklung keineswegs auf die Betriebssysteminhaber Google und Apple beschränkt ist, wo sie sich insbesondere in den jeweiligen App-Stores materialisiert, zeigt der Blick auf Amazon: Auch auf dem Amazon Marketplace findet eine fortschreitende Integration von Drittanbietern statt. Der Marketplace, auf dem andere Händler ihre Waren anbieten können, wurde in den USA im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Heute gibt es weltweit dreizehn Marketplaces.[38] Amazon veranschlagt für Drittanbieter, die seinen proprietären Markt nutzen, Gebühren in unterschiedlicher Höhe – je nachdem, wie viele Aufgaben Amazon jeweils für sie erfüllt. Das Wachstum des Amazon-Markts ist seit Jahren ungebrochen: Allein im Jahr

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2017 gewann die Firma über eine Million neuer Dritthändler weltweit, etwa 3000 Anbieter am Tag. Diese verkauften über Amazon Waren im Wert von 188 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Insbesondere Verkäufer aus China und Hongkong haben sich in den vergangenen Jahren in Scharen auf Amazons Markt angemeldet, was unterstreicht, wie sehr die Metaplattformen zu globalen Märkten geworden sind. Amazon hält für asiatische Unternehmen einen relativ exklusiven Zugang zu vielen westlichen Konsumentenmärkten bereit (Dunne 2019), ja ist für sie praktisch alternativlos, auch wenn Alibaba (beispielsweise über die Endkonsumenten-Plattform Aliexpress) längst ebenfalls in diesem Geschäft mitmischt. Zwischen 2016 und 2019 machten Drittanbieter rund 50 Prozent aller über den Marketplace verkauften Produkte aus (Marketplace Pulse 2019).

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Diese Expansion schlägt sich auch in der Anzahl der verfügbaren Produkte und Kategorien nieder: Nachdem Amazon 1995 als reine Buchhandelsplattform startete, wäre es heute womöglich leichter, eine Liste derjenigen Konsumgüter anzufertigen, die nicht über Amazon gehandelt werden. Die Macht dieses Imperiums bekommen Produzenten nicht nur in Form der für ihre Marktpräsenz fälligen Gebühren zu spüren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Amazon insbesondere auf lukrativen Geschäftsfeldern die Performanz bestimmter Güter evaluiert, diese gegebenenfalls kopiert und Drittanbieter anschließend aus dem eigenen Ökosystem verbannt (Tilley/Anand 2018). Mit dieser Praxis steht das Unternehmen keineswegs alleine da, sie ist beispielsweise auch für Chinas zweitgrößtes E-Commerce-Unternehmen JD.com dokumentiert (Chen, C. 2018). Im Bereich Web Services setzt Amazon auf eine ähnliche Taktik: Das Unternehmen bewirbt dort häufig Produkte von Drittanbietern – bis es schließlich ein eigenes Konkurrenzprodukt auf den Markt wirft (Tilley/Anand 2018).

Die finanzielle Firepower der Leitunternehmen wirkt dabei gerade auch in jenen Bereichen, von denen sich die Wirtschaftstheorie die Entstehung neuer Wettbewerber erhofft – der Start-up-Welt. Der hauseigene Alexa-Fonds beispielsweise investiert in junge Firmen, die Anwendungen für Amazons sprachgesteuerten Lautsprecher entwickeln. Der Fonds soll es Amazon als Primärinvestor ermöglichen, sich die Kontrolle über Firmen in der Peripherie seines soziotechnischen Ökosystems zu sichern (Leistungs- und Informationskontrolle); mit entsprechenden Investitionen können zum Beispiel Vorkaufsrechte verbunden sein. Entscheidet sich ein begehrtes Unternehmen später gegen einen Verkauf an Amazon, verdient der Gigant zweimal: Beim Exit kann er seine Anteile versilbern; anschließend kann er sein Know-how nutzen, um das jeweilige Produkt zu kopieren (Tilley/Anand 2018).

Alibaba, der im globalen Maßstab wohl wichtigste Konkurrent von Amazon, setzt exklusiv auf Dritthändler, bietet also keine Eigenprodukte an und erwirtschaftet seine E-Commerce-Gewinne ausschließlich mit Gebühren und

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Werbung. Auch hier ließe sich eine Expansionsgeschichte gigantischen Ausmaßes erzählen, ist Alibabas aus mehreren Plattformen bestehendes E-Commerce-Netzwerk[39] doch nicht nur im Endkonsumentengeschäft tätig, sondern zugleich eine Art Großhandelsplattform und vieles mehr. Im E-Commerce-Geschäft setzt das Unternehmen dabei gigantische Summen um – allein am Singles Day, dem Hochtag der chinesischen Konsumgesellschaft, waren es 2017 25 Milliarden US-Dollar (Russell 2017). Die gigantischen Ambitionen kulminieren im Lieblingsprojekt des Unternehmensgründers Jack Ma, der weltumspannenden »electronic World Trade Platform« (eWTP). Ma propagiert die Idee einer globalen Handelsplattform für »kleine« Unternehmen (mit weniger als einer Million Dollar Umsatz im Jahr), die von Zöllen/Steuern ausgenommen und deren Waren bei der Einfuhr schnell abgewickelt werden sollen:

Unsere bevorzugten Kunden sind kleine Firmen und junge Leute. Wir haben in China einen großartigen Job gemacht. Wie können wir jetzt den jungen Leuten in Indien, Pakistan, Afrika helfen? [..] Wir sind heute schon die größte virtuelle Ökonomie der Welt. Wie können wir diese virtuelle Ökonomie groß genug machen für alle jungen Menschen mit einem Mobiltelefon, mit einem PC? Mit dem Spielraum, den diese Ökonomie bietet, kann man unglaublichen Handel treiben, lokalen Handel zum Beispiel. (Yoon 2016)

Durch die Integration kleiner und mittlerer

Handelsunternehmen in eine globale Infrastruktur zielt Ma auf die Marktgleichheit des eigenen Unternehmens im globalen Maßstab. Klarer kann man den Anspruch auf das Eigentum am Markt kaum formulieren. Dem Projekt kommt zudem eine Schlüsselrolle im Rahmen der staatlich gesteuerten Belt and Road Initiative zu, jenem globalen Infrastrukturprojekt, mit dem China die eigenen Handelswege weltweit ausbauen will, um langfristig die chronischen Überkapazitäten seiner Wirtschaft zu reduzieren (Shen, H. 2018: 2693). Die »digitale Seidenstraße« und das Unternehmen Alibaba sind laut Hong Shen beinahe identisch (ebd.).

Auch das zweite chinesische Leitunternehmen Tencent ist ein weit verzweigtes Netzwerk von Firmen, Plattformen und Dienstleistungen. Wie bei allen Leitkonzernen stützt sich auch der Aufstieg von Tencent auf eine spezifische Ecke des kommerziellen Internets, in seinem Fall einen Messenger. Tencent ist heute allerdings nach Umsätzen das größte Gaming-Unternehmen der Welt. 2017 machte dieses Feld mehr als 40 Prozent der Unternehmenseinnahmen aus (Futter 2018), doch auch die Umsätze mit elektronischem Handel und Onlinewerbung wurden sukzessive ausgebaut. So machte Letztere nach einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 50 Prozent im Jahr 2016 bereits knapp 18 Prozent der Einnahmen aus (Tencent 2017: 10).

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Von seiner ökonomischen Basis im Online-Gaming aus hat Tencent in China immer größere Teile des kommerziellen Internets in sein proprietäres System integriert. Zum einen wurden auch hier unzählige strategische Investitionen[40] und Akquisitionen getätigt, das Unternehmen dehnte seine Aktivitäten auf soziale Netzwerke, Ride-Hailing, Cloud-Dienste und digitale Bankgeschäfte aus. Die vergangenen Jahre waren dabei von einem unverhohlenen Investitionswettbewerb zwischen Tencent und Alibaba geprägt, der sich vor allem auf China und Südostasien bezog. Allein 2016 gab Tencent in diesem Wettstreit 6,3 Milliarden Dollar aus, während Alibaba 5,6 Milliarden investierte (Cendrowski 2015) – mehr als die Gesamtsumme der Risikokapitalinvestitionen in ganz Europa in diesem Zeitraum (OECD 2017a: 125). Tencents Schwerpunkte haben sich dabei vom traditionellen Feld des Online-Gaming hin zum Handel und zu Unternehmensdienstleistungen für die Teilnehmer seines proprietären Marktes verschoben (Chen, T. 2018) – ein Zeichen für die zunehmende Integration des Unternehmens rund um seine zentrale Plattform.

Das Herzstück von Tencent ist die in der Branche wahlweise als »Super-« oder »Killer-App« bezeichnete Applikation Wechat. Wechat ist nur auf den ersten Blick eine Messenger-App wie das zum Facebook-Konzern gehörende Whatsapp. Tatsächlich handelt es sich um einen proprietären Marktplatz mit Infrastrukturfunktion (Plantin/de Seta 2019), auf dem

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praktisch alle Angebote des kommerziellen Internets vertreten sind und der nach Angaben seines Entwicklers »keinen Wettbewerber außer sich selbst« hat (Deng 2019). Die App hatte 2018 über eine Milliarde Nutzer – der allergrößte Teil davon in China (Tencent 2019). Innerhalb der Applikation betreiben zahlreiche Anbieter integrierte Mobile-Stores, also eigene Subplattformen, zu denen Tencent den Zugang kontrolliert. 2017 hatten mehr als zehn Millionen Unternehmen, aber auch »unternehmerische Einzelne« (Bude 2001) wie Prominente oder Journalisten solche offiziellen Accounts (Mittal 2017). Seit der Etablierung des proprietären Bezahlsystems Wepay hat sich die Zahl dieser Drittanbieter im Ökosystem von Tencent mehr als verfünffacht – ein klares Zeichen für die oben beschriebene Schlüsselrolle von Finanzanwendungen. Dies hat zu einem rasanten Wachstum der Handels- und Vermittlungstransaktionen über Wechat geführt: So verdoppelte sich 2016 die Zahl der Nutzer, die über Wechat Einkäufe erledigten, über 300 000 »Offline«-Läden nutzten Wechat Pay, und über 200 Millionen Nutzer hatten ihre Bankdaten bei Wechat hinterlegt. Gegenüber Konkurrenz im eigenen Ökosystem ist Tencent – wie andere Leitunternehmen – wenig zimperlich: Rivalen im Social-Media-Bereich werden auf Wechat kurzerhand gesperrt, insbesondere wenn es sich um Applikationen handelt, die mit verschärften Datenschutzstandards punkten wollen (Deng 2019) und damit die Informationskontrolle des Unternehmens infrage stellen.

Für andere Leitunternehmen bedeutet das Wechat-Modell eine strukturelle Herausforderung. Geschäfte, die in Subapplikationen innerhalb der Wechat-App ablaufen, sind dem Taxierungsmodell der App-Stores, wie es Google und Apple implementiert haben, entzogen. Die Betriebssystembetreiber können es sich aber kaum leisten, die hoch populäre Applikation in ihren Stores einfach zu sperren.

Warum proprietäre Märkte?

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Kehren wir noch einmal zu den einleitenden Ausführungen dieses Kapitels zurück: Warum proprietäre Märkte? Und: Warum jetzt? Die einfachste Antwort auf diese Frage liegt schlicht in der technisch-ökonomischen Machbarkeit, die sich aus der Verbindung finanzieller Feuerkraft und den historischen Kontingenzen pfadabhängiger polit-ökonomischer und technologischer sowie Marktentwicklungen ergibt. All dies sind ermöglichende Faktoren, die ich in diesem und den vorangegangenen Kapiteln ausbuchstabiert habe. In historischanalytischer Perspektive fallen freilich vor allem jene zwei dem Kapitalismus der Gegenwart immanente Probleme ins Auge, die ich am Anfang dieses Kapitels umrissen habe: das Problem der Unknappheit (Angebotsseite), welches mit fortschreitendem digitalem Wandel an Bedeutung gewinnt, und das Problem der Marktsaturierung (Nachfrageseite), das die fortgeschrittenen Kapitalismen der OECD-Welt seit den siebziger Jahren vor systematische Probleme stellt.

Proprietäre Märkte und das Problem der Unknappheit

Dem wirtschaftssoziologischen Theorieprogramm zufolge sind Märkte mit dem »Tausch knapper Dinge« befasst (Sahr 2017a: 148). Mehr noch: Knappheit, also die beschränkte Verfügbarkeit von Produkten, gilt als notwendige Bedingung dafür, dass marktförmige Tauschprozesse überhaupt in Anschlag gebracht werden können (ebd.). Proprietäre Märkte wiederum sind nicht der Effekt von Knappheit, sondern deren Produzenten. Sie bearbeiten das Problem der Unknappheit, indem sie den Zugang zu Gütern kontrollieren.

Erinnern wir uns: Die Propheten des Postkapitalismus sehen mit der Digitalisierung der Ökonomie bereits den Anfang des Endes der Dominanz kapitalistischer Produktionsweisen aufscheinen. Mit fortschreitendem Digitalisierungsgrad sinken ihnen zufolge die Grenzkosten der meisten Produkte. Rifkin etwa geht davon aus, dass digitale Technologien die

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Energiegewinnung und die Produktionsapparate revolutionieren werden: Solarzellen auf jedem Dach speisen in diesem Bild elektrische Energie in die menschenleeren Fabriken der nahen Zukunft. Die Grenzkosten für die Reproduktion der Güter, die diese Fabriken herstellen, gehen sukzessive Richtung null. Die Produkte bestehen aus keinerlei knappen Komponenten mehr, weswegen es immer schwieriger wird, sie profitabel zu verkaufen. Die real existierenden Vorläufer dieser unknappen Güter bilden viele der Handelswaren des kommerziellen Internets der Gegenwart: Musik- und Videodateien, E-Books und andere Dokumente, Software, Videospiele, Informationen usw. Hier haben wir es tatsächlich schon heute mit einer Logik relativer Unknappheit zu tun, die sich schlicht aus den Skaleneffekten einer beinahe globalen Distributionsstruktur – des Internets – ergibt: Wenn auf ein digitales Gut weltweit zugegriffen werden und dieses Produkt zu praktisch null Grenzkosten reproduziert werden kann, verblassen die initialen Kosten, die für seine Entwicklung einmal aufgewendet werden mussten, mit jeder Gratiskopie.

Man kann dieser theoretischen Perspektive auf die Digitalisierung vorhalten, allzu viel über einen Kamm zu scheren und die Komplexität des Phänomens über Gebühr einzuebnen – ein Vorwurf, der Versuche der Theoriebildung freilich qua definitionem immer trifft. Mir geht es allerdings weniger um eine Positionierung hinsichtlich der Frage, ob wir es in naher Zukunft mit massiv sinkenden Grenzkosten im Bereich der Energiegewinnung und Produktion zu tun haben werden. Vielmehr wirft die aus meiner Sicht weitgehend korrekte Beschreibung des kommerziellen Internets als Ökonomie der Unknappheit die Frage auf, wie ausgerechnet die Leitunternehmen dieses Feldes die Wachstumsmotoren eines von Stagnation gepeinigten Kapitalismus der Gegenwart werden konnten. Die Antwort lautet, dass proprietäre Märkte eben weniger auf Knappheit basieren, als vielmehr Strategien zur Lösung des Problems der Unknappheit darstellen, da sie Instrumente der künstlichen Verknappung potenziell unknapper Güter sind.

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Ein Effekt des Aufbaus soziotechnischer Ökosysteme ist, wie gesagt, dass auf der Nachfrageseite, also bei den Konsumenten, systematische Lock-in-Strategien erzeugt werden (Dolata 2015). Diese Versuche, User enger in ein jeweils proprietäres System einzubinden, sind uns nach der Lektüre dieses Kapitels vertraut: Ein immer umfassenderes Angebot baut »switching necessities« ab. Wer alle Produkte des kommerziellen Internets beispielsweise im Android-Universum nutzen kann, muss dieses schlichtweg nicht verlassen. Dass die Expansion proprietärer Märkte derzeit noch mit der in Kapitel 3 beschriebenen Strategie des subventionierten Konsums erkauft wird, stützt diese Dynamik zusätzlich: Nicht nur müssen Konsumenten ein proprietäres System nicht verlassen, diese Güter sind häufig überdies, insbesondere in der Expansionsphase, hochgradig subventioniert oder wegen Sekundärverwertungen gar zum Nulltarif zu haben.

Auf der Nachfrageseite haben sich insbesondere die Metaplattformen auf diesem Weg sukzessive dem Bild der Marktgleichheit angenähert. Da sie, der Tendenz nach, über spezifische Konsumentensegmente exklusiv verfügen, können sie auf der Angebotsseite den Produzenten die Konditionen ihrer Marktintegration diktieren. Denn diese erhalten überhaupt nur dann einen relevanten Zugang zu den Konsumenten, wenn sie sich auf die Konditionen der jeweiligen proprietären Märkte einlassen.

Noch bevor wir uns den hieraus entstehenden Chancen der Aneignung ökonomischer Profite durch marktgleiche Unternehmen weiter widmen, ist es zentral zu verstehen, dass diese Konstruktion von Marktbeziehungen einen Lösungsversuch des Problems der Unknappheit darstellt. Indem insbesondere die Metaplattformen die Marktfunktion für ihre jeweiligen Nutzer übernehmen, gewinnen sie auch die Möglichkeit der Kontrolle über die Angebotsseite. Es ist dann nicht mehr entscheidend, dass bestimmte Produkte potenziell im Überfluss vorhanden sind, da ihr Preis und damit der Profit sich nicht mehr aus der Knappheit des Angebots ergibt, sondern aus einer Logik der Zugangskontrolle, also der Macht, Güter

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