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Wichtiger als eine erschöpfende Aufzählung ist für das Verständnis der Entwicklung freilich die Tatsache, dass die Leitunternehmen sich durch ihre Akquisitionsstrategien über die Zeit immer ähnlicher geworden sind (Dolata 2015): Google ist über Google-Shopping in den E-Commerce-Bereich eingestiegen und hat 550 Millionen Dollar in die zweitgrößte chinesische Plattform JD.com investiert – das Unternehmen wildert also im angestammten Revier von Amazon (N.N. 2018c). Zudem hat Google, wie auch Amazon, eigene Hardware-Linien produziert,[33] sich an der Etablierung eines sozialen Netzwerkes versucht, Microsoft den Spitzenplatz bei den Browsern abgejagt und mit Android ein Betriebssystem entwickelt, das Apples IOs Konkurrenz macht. Amazon hat sich, wenn man im Internet getätigte Suchanfragen zählt, als zweitwichtigste Suchmaschine nach Google etabliert (vgl. Pasquale 2015), ist über die Prime-Videoplattform ein direkter Konkurrent von Youtube und führt mit seinen smarten Lautsprechern – man sollte besser von smarten Mikrofonen reden – derzeit einen Markt an, auf den auch Google, Apple, Facebook und Microsoft setzen. Einer echten Kriegserklärung
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kommen Amazons recht erfolgreiche Versuche gleich, sich ein immer größeres Stück des Onlinewerbekuchens zu sichern (Soper/Bergen 2018; Hirsch/Castillo 2018).
In China sieht es ähnlich aus. So investieren die drei Leitunternehmen des kommerziellen Internets chinesischer Prägung, arbeitsteilig und unter der Ägide der strategischen Wirtschaftspolitik der chinesischen KP, große Summen in die Bereiche autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz, wo sie in direkten globalen Wettbewerb mit den amerikanischen Konzernen treten. Die Überlappungen zwischen den chinesischen Unternehmen gehen mittlerweile offenbar selbst der Kommunistischen Partei zu weit, die unter dem Banner der Effizienzmaximierung einzelnen Konzernen spezifische Felder zugewiesen hat. So soll Baidu insbesondere im Bereich des autonomen Fahrens agieren, während Alibaba das Feld »Smart City« und Tencent das der Digitalisierung des Gesundheitswesens übernehmen soll. Das agnostische Verhältnis der Partei zur Marktkonkurrenz lässt ihr offenbar eine stärkere Differenzierung zwischen den nationalen Champions als sinnvoller erscheinen als die bereits weit fortgeschrittenen Isomorphien zwischen ihnen.
Die Erweiterung des Portfolios[34] dient zunächst der Vervollkommnung und Stabilisierung des jeweiligen Ökosystems. Je näher das Angebot einer Metaplattform dem allgemeinen Angebot des Gesamtmarkts kommt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Kunden sie verlassen. Ulrich Dolata spricht daher von »Lock-in Strategien«, die über die Verringerung von Wechselnotwendigkeiten (»switching necessities«) und eine Erhöhung der Wechselkosten (»switching costs«) verfolgt werden (Dolata 2015; Haucap/Heimeshoff 2013).
Man kann die Expansion der Leitunternehmen grob in drei Phasen unterteilen: In der ersten Phase wurden lokale Monopole oder zumindest starke Marktpositionen besetzt. Google wurde dominant in der Internetsuche, Apple sicherte sich einen wichtigen Teil des Hardware-Marktes, Amazon dominierte den E-Commerce-Sektor der westlichen Welt,
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Alibaba tat dasselbe (wenn auch in anderer Organisationsform) in China, Tencent baute seine Dominanz im Gaming-Markt aus.
Die zweite Entwicklungsphase umfasst den Aufbau und die Sicherung soziotechnischer Ökosysteme. Den Schlüssel zur erfolgreichen Kontrolle eines solchen Ökosystems stellen, so muss man Dolata ergänzen, technische Mechanismen der Hierarchisierung dar, die es den einzelnen Plattformen ermöglichen, andere Anbieter in eine untergeordnete Stellung zu zwingen. Die Kombination aus Hardware und Betriebssystem ist dabei im aktuellen Zyklus der entscheidende Modus, weswegen nur die Betreiber der Betriebssysteme (also Google und Apple) echte Metaplattformen aufbauen konnten. Dass Amazon dieses Problem schon vor langer Zeit erkannt hat und dass sich auch Google der Schwachstelle der fehlenden Hardware durchaus bewusst ist, zeigen ihre wiederholten Versuche, mit eigenen Produkten einen Fuß in den Smartphone- und Tabletmarkt zu bekommen. Wichtig ist es zudem, die materielle Basis, also die Tore in die jeweiligen Ökosysteme, systematisch zu erweitern: von PCs über Smartphones und Tablets bis hin zu Smart-Home-Geräten wie Lautsprechern/Mikrofonen und bald Automobilen. Im gleichen Kontext sind die gelegentlich vorkommenden Quersubventionierungen zwischen den Gafa-Unternehmen zu sehen: So wird eine Summe von drei Milliarden Dollar jährlich kolportiert, die Google an Apple überweist, um als vorinstallierte Standardsuchmaschine auf Iphones präsent zu sein (Haselton 2017). Für die voll vernetzten Fahrzeuge der Zukunft hat sich Google über Android bereits den Zugang zu den Autos von Audi und Volvo gesichert (Plass-Fleßenkämper 2017).
Cloud, KI, Fintech – Infrastrukturen proprietärer Märkte
In die Phase des Aufbaus soziotechnischer Ökosysteme fällt auch der Versuch, das Produktportfolio des kommerziellen
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Internets möglichst erschöpfend über die jeweils eigene Metaplattform zu organisieren. Aufgrund dieser Strategie sind die Leitunternehmen sich immer ähnlicher geworden, indem sie konkurrierende Produkte und Dienstleistungen auf den Markt warfen, statt sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Ausbau der hauseigenen Angebote ist freilich nur ein Schritt hin zur Marktähnlichkeit des jeweiligen Konzerns. Betrachtet man die Akquisitionsschwerpunkte der vergangenen Jahre, so fällt auf, dass alle Leitunternehmen vor allem in drei Bereiche investiert haben: Cloud-Kapazitäten, KI-Assistenzsysteme und Fintech, also Finanztechnologien, insbesondere eigene Bezahlsysteme.
In diesen Strategien liegt der Schlüssel zum Verständnis der laufenden, dritten Expansionswelle verborgen. Hat man einmal erkannt, dass die Leitunternehmen ihrem Wesen nach Plattformen sind und dass Plattformen in einem grundsätzlichen Sinn die Struktur von Märkten haben, wird ersichtlich, dass es sich bei diesen drei Expansionsfeldern nicht einfach um weitere Produktkategorien handelt. Cloud, KI und Fintech sind nicht gleichrangig mit Videodiensten, Musik-Streaming oder E-Mail-Konten. Es handelt sich nicht einfach um neue Güter oder Dienstleistungen, die an das jeweilige Ökosystem angeschlossen werden, sondern um entscheidende Infrastrukturelemente proprietärer Märkte.
Fintech-Anwendungen, insbesondere proprietäre Bezahlsysteme, runden das Profil der einzelnen Märkte an der Schnittstelle zum Konsumenten ab. Sie ermöglichen es, Zahlungsflüsse zu kontrollieren und mithilfe der auflaufenden Daten Sekundärprodukte wie Bonitätsratings oder Konsumkredite zu entwickeln und damit nicht nur neue Einnahmequellen zu generieren, sondern auch das eigene Produktportfolio zu erweitern. Die Vorbilder sind dabei Alibaba und Tencent, die über eine ganze Phalanx von Fintech-Unternehmungen verfügen. Das berühmteste Element der proprietären Finanzkomplexe der Konzerne sind freilich die Bezahlsysteme Alipay und Wechat Pay: Ersteres verfügte Anfang 2019 über die sagenhafte Zahl von einer Milliarde
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registrierten Usern (N.N. 2019) und Letzteres versammelte über 900 Millionen nachweislich aktive Nutzer (Iqbal 2019). Als Duopol kontrollieren Alipay und Wechat Pay den chinesischen Markt für Mobile-Payments so gut wie vollständig (Chen 2017; Shao 2018).
Die Kontrolle der Zahlungsflüsse durch proprietäre Systeme bietet den Plattformen zwei entscheidende Vorteile: Erstens erheben sie Transaktionsgebühren, was die Profite steigert. Bei einem Transaktionsvolumen, das in China schon 2016 an die neun Billionen US-Dollar betrug (Chen 2017), 2017 auf etwa 13 Billionen anstieg (Shen, A. 2018) und 2023 bei knapp 97 Billionen liegen könnte (Rolfe 2019), fallen diese Gebühren ökonomisch durchaus ins Gewicht. Zweitens werden Konsumenten, vor allem aber Händler und Produzenten über die Bezahlsysteme unmittelbar in die proprietären Märkte integriert.
Welche Größenordnung die Kontrolle von Finanztransaktionen im Rahmen proprietärer Märkte haben kann, zeigt sich exemplarisch an Alibabas Finanzarm Ant Financial. Die Firma gilt derzeit als größtes Fintech-Unternehmen der Welt. Zu Ant Financial gehören unter anderem Alipay mit einer Milliarde Nutzern und ein 1,68 Billionen Yuan (245 Mrd. USD)[35] schwerer Geldmarktfonds, das Angebot umfasst zudem diverse Versicherungen, außerdem kontrolliert Ant Financial 322 Milliarden Yuan (47 Mrd. USD) an ausstehenden Konsumentenschulden – allein 2017 vergab das Unternehmen weitere 258,8 Milliarden Yuan (38 Mrd. USD) an Krediten (Chen, L. 2016, 2018a). Die Aufzählung verdeutlicht, dass es bei Ant nicht nur um die Expansion des Produktportfolios von Alibaba geht, sondern auch um die Kontrolle der Finanzinfrastruktur seines proprietären Marktes. Nicht umsonst bemühen sich daher auch Apple und Google seit geraumer Zeit, den Erfolg der chinesischen Bezahlsysteme in den von ihnen dominierten Weltregionen nachzuahmen. Facebook präsentierte im Sommer 2019 gar Pläne für eine eigene Digitalwährung, genannt Libra.
Cloud-Anwendungen sind ein weiteres zentrales
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Infrastrukturelement. Sie ermöglichen die fortschreitende Integration des jeweiligen Produkt- und
Dienstleistungsportfolios durch die Sicherung und Expansion von Informationskontrolle. Die Rechenzentren der
Leitunternehmen werden zum Ort, an dem sämtliche
marktrelevante Daten der Nutzer gespeichert und verwertet werden. Kein Ökosystem funktioniert heute ohne diese im Hintergrund laufende Infrastruktur. Wollte man Analogien zur Industriegesellschaft ziehen, könnte man sagen, dass wir es mit einem System zu tun haben, in dem einige wenige
Unternehmen eigene, sich nur begrenzt überlappende
Straßennetze mit den zugehörigen Rastplätzen anbieten, die sowohl die Vernetzung der Gesellschaft insgesamt
gewährleisten als auch eine notwendige Bedingung für das Handeln der meisten Unternehmen darstellen. Auf diesen Straßen kassieren sie zum einen Maut. Zum anderen bauen sie gleichzeitig ihre Macht aus, indem die digitale mit der analogen Infrastruktur verbunden wird – um im Bild zu bleiben: In einer Welt der voll vernetzten Automobile kontrollieren die
Digitalkonzerne womöglich bald auch die Daten jener
autonomen Fahrzeuge, die in naher Zukunft massenweise über den analogen Asphalt rollen sollen.
Diese Analogie ist keineswegs aus der Luft gegriffen, macht man sich klar, dass die Leitunternehmen sich in den vergangenen Jahren sukzessive relevante Teile der Leitungsnetze angeeignet haben, die eine effektive Nutzung der Cloud durch beschleunigte Datentransfers erst ermöglichen. Nachdem Google 2010 erstmals in ein transpazifisches Kabel zwischen den USA und Japan investierte (Weise 2016), kaufen oder verlegen die ursprünglichen Content-Anbieter insbesondere seit 2016 vermehrt Glasfaserkabel. Im September 2018 befanden sich von den insgesamt etwa 1,2 Millionen Kilometern Unterseekabel weltweit bereits fast 16 Prozent in Besitz oder Teilbesitz eines oder mehrerer der Leitunternehmen. Allein Google verfügte über 8,5 Prozent der globalen Kabelstrecken. Hinzu kamen mindestens zwei Prozent, bei denen die Gafa-Konzerne einen großen Umfang der
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Kapazitäten eingekauft haben.[36] Und diese Zahlen umfassen nur die öffentlich bekannten Investitionen. Laut Alan Mauldin, dem Direktor des Marktforschungsinstituts Telegeography, ist davon auszugehen, dass bereits weitere Kabel in der Hand der Unternehmen oder geplant sind (Weise 2016). Dabei kooperieren die eigentlich rivalisierenden Tech-Konzerne gelegentlich sogar (coopetition), so etwa Google und Facebook, die 2016 ein gemeinsames Kabel zwischen Hongkong und Los Angeles finanzierten (N.N. 2016), ähnlich wie Facebook und Microsoft im Jahr 2017 (Weise 2016; Ong 2017).
Gerade in Zeiten, in denen die Netzneutralität[37] – man denke an ihre Abschaffung in den USA durch die Trump-Regierung – kein digitales Naturgesetz mehr zu sein scheint, gewinnt die Infrastruktur an Bedeutung. Zum einen sichern sich die Leitunternehmen so die Unabhängigkeit von Netzbetreibern, die sonst womöglich durch höhere Transferkosten ihre Profite schmälern würden. Zum anderen verdrängen die Gafa-Konzerne durch den Ausbau einer proprietären Infrastruktur sukzessive die Netzbetreiber und werden damit noch mächtiger.
Dass immer mehr Unternehmen, aber auch staatliche und andere Institutionen auf diese Infrastruktur angewiesen sind zeigt sich etwa am schier unglaublichen Bedeutungszuwachs des führenden Cloud-Anbieters Amazon Web Services (AWS), der derzeit einen Anteil von über dreißig Prozent am globalen Cloud-Markt hält (andere Leitunternehmen wie Microsoft, Google und Alibaba folgen auf den Plätzen) (Henderson 2019). Die Liste der Unternehmen und Organisationen, die AWS nutzen, verdeutlicht, wie bedeutend die Amazon-Cloud für die digitale Weltinfrastruktur ist. Laut Amazon zählen zu den über eine Million Nutzern nicht nur prominente »Old Economy«- Unternehmen wie Kellogg's, Unilever und BMW, sondern auch die Nasa, die Uno oder das US-Verteidigungsministerium. So wurde im April 2018 bekannt, dass das Pentagon einen Auftrag über zehn Milliarden Dollar an AWS erteilt hatte (Peterson 2018) – bizarrerweise nur wenige Tage nachdem Präsident Trump das Unternehmen über Twitter lautstark für seine
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Steuervermeidungspolitik gerügt hatte.
Insbesondere für andere Digitalunternehmen ist AWS heute überlebenswichtig. Zu den Kunden aus diesem Feld zählen das deutsche Unternehmenssoftware-Powerhouse SAP, die Flat-Sharing-Plattform Airbnb und der Videostreaming-Dienst Netflix, der seinen gesamten Traffic über AWS abwickelt. Wie bedeutend die private Infrastruktur von Amazon mittlerweile für das gesamte kommerzielle Internet ist, wurde den US-Bürgern am 8. Februar 2017 deutlich, als Services wie Netflix, Spotify, Tinder, Dropbox und Tausende andere für ihre Nutzer vier Stunden lang nicht erreichbar waren. Was war passiert? Ein AWS-Mitarbeiter hatte sich »vertippt« und aus Versehen mehr Server offline genommen als geplant. Seither spricht man von diesem Datum als jenem Tag, an dem das Internet offline ging – genauso richtig wäre es zu sagen, dass für vier Stunden ein Großteil des Marktes verschwand.
Auch das Zauberwort Künstliche Intelligenz (KI) wird ein Stück greifbarer, wenn man sich deren Nutzung durch die Leitunternehmen des digitalen Kapitalismus ansieht. KI wird heute im öffentlichen Diskurs auf zwei Arten verwendet: als Metapher für die fortschreitende Vernetzung von Dingen und Prozessen durch Algorithmen; in diesem Sinne gehört beinahe jede Programmiertätigkeit irgendwie zu diesem Komplex; in einem engeren Sinne spricht man von KI, wo es um Prozesse des maschinellen Lernens geht.
Mit maschinellem Lernen ist gemeint, dass Algorithmen relativ selbstständig große Datensätze (Big Data) nach Mustern (Korrelationen) durchsuchen und aus den Ergebnissen Handlungsimplikationen ableiten. Big Data bildet die notwendige Basis dieser Technologie, und die Herrscher der großen Datensätze sind die Leitunternehmen. Entsprechend hat die öffentliche Beunruhigung über KI viel mit dem Szenario zu tun, dass die Konzerne als Avantgarde der technologischen Entwicklung diese neue »general purpose technology« (Brynjolfsson/McAfee 2014) unter ihre exklusive Kontrolle bringen könnten.
In den Forschungsabteilungen und Datenzentren der
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Leitunternehmen wird tatsächlich in KI-fähige Infrastruktur investiert, da Rechenpower und KI systematisch zusammenhängen (Hwang 2018). Jenseits des Aufbaus von Server-Kapazitäten investieren die Leitunternehmen dabei zunehmend auch in die Entwicklung eigener KI-Chips (Gurman/Frier 2018). Ziel dieser Expansion im Feld der Infrastruktur ist nicht nur die Einführung einer neuen Produktkategorie oder -komponente – selbst wenn dies selbstverständlich eine wichtige Rolle spielt. Vielmehr geht es auch um die sukzessive Schließung der proprietären Märkte, indem eine weitere Schnittstelle zum Konsumenten besetzt wird. Immer größere Teile der Restökonomie sollen auf diesem Weg in Abhängigkeit zu den Metaplattformen geraten.
Auf der Konsumentenseite zeigt sich diese Entwicklung vor allem mit Blick auf die ganz konkreten Verwendungsweisen von KI. So kommen bislang vor allem Sprach- und Interaktionsassistenzprogramme zum Einsatz, die das Marktprofil der Leitunternehmen abrunden und erweitern. Diese Kontaktvereinfacher sollen es Konsumenten noch leichter machen, auf den proprietären Märkten zu agieren. Man arbeitet an der Beseitigung eines der letzten Vorteile des stationären Handels: der sprachlich vermittelten Interaktion. In Form smarter Mikrofone wie der Echo-Linie von Amazon, des Apple-Homepod oder der Google-Home-Geräte rücken die Leitunternehmen so noch näher an die potenziellen Kunden heran. Der Markt für diese Geräte ist in den vergangenen Jahren insbesondere in den USA geradezu explodiert, die Smart-Speaker-Absätze haben sich dort allein von 2016 auf 2017 verdreifacht (Associated Press 2017), im Frühjahr 2018 verfügte bereits jeder fünfte US-Haushalt über ein solches Gerät (Perez 2018). Weltweit wurden im ersten Quartal 2018 über neun Millionen Speaker verkauft, was einem Wachstum von über 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahrsquartal entspricht (Canalys 2018). Die globalen Marktführer sind Google und Amazon, wobei es Google Home 2018 gelungen ist, den Amazon Echo zu überflügeln (ebd.), der 2016 noch einen Marktanteil von über neunzig Prozent hatte (Kinsella 2017). In
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China dominiert Alibabas Tmall Genie, weltweit nimmt der Konzern damit Platz drei ein (Canalys 2018).
Alternativlosigkeit
Im mobilen Teil des kommerziellen Internets ist die Schließung der Systeme bereits recht gut gelungen. Durch das Besetzen zentraler Infrastrukturfunktionen haben es insbesondere die App-Store-Betreiber Google und Apple geschafft, für Anbieter und Konsumenten praktisch alternativlose proprietäre Märkte zu errichten. Dies zeigt sich etwa im rasanten Wachstum des Angebots. Beinahe alle 3,7 Millionen Applikationen im Google-Play-Store kommen von Drittanbietern. Innerhalb von zehn Jahren hat sich deren Zahl vertausendfacht (Schaubild 4). Der Apple-App-Store erlebte ein Wachstum um den Faktor 700.
Quelle: Eigene Darstellung auf der Basis von fortlaufender Berichterstattung, Pressemitteilungen und Veröffentlichungen von
Marktforschungsinstituten. Der Knick in der Apple-Linie erklärt sich aus
einem massiven Löschvorgang, den Apple im Sommer 2017 vollzog, um
Dopplungen (sogenannte Klon-Apps) und Schadsoftware aus dem App-Store zu entfernen. Es ist freilich auch ein Beispiel für die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten des Unternehmens, das Angebot im App-Store zu kontrollieren.