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Die Grundstruktur dieses institutionellen Settings weist auffallende Ähnlichkeiten mit Programmen anderer führender Industrienationen auf, etwa mit der für Deutschland wichtigen Förderung anwendungsorientierter Forschung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und deren Kombination mit verschiedenen mal mehr, mal weniger wirtschaftsnahen Organisationen wie den unterschiedlichen Fraunhofer Instituten oder der Max-Planck-Gesellschaft. Der eigentlich entscheidende Faktor im amerikanischen Unternehmerstaat war jedoch eine für die US-Technologiebranche typische »Spin-off-Kultur« (ebd.: 101), also die institutionelle und rechtliche Absicherung der Kapitalisierungslogik. Kein Wunder, dass einige Beobachter der Ansicht sind, in der hierzulande seit 2011 geführten Debatte um eine Industrie 4.0 gehe es im Kern weniger um neue Technologien als vielmehr darum, ein Innovationsdreieck aus Politik, Unternehmen und Universitäten zu schmieden, das den Erfolgen des amerikanischen Unternehmerstaates nacheifern soll (Reischauer 2018).
In einer kapitalismusanalytischen Lesart haben wir es beim investiven Staat der Digitalisierung mit einem besonders eindrücklichen Beispiel für die Kommodifizierung und Privatisierung öffentlicher Güter zu tun. Letztlich handelt es sich bei Produkten, deren Entwicklung aus Steuermitteln finanziert wurde, zunächst um öffentliches Eigentum. Wird öffentliche Forschung anschließend marktwirtschaftlich kapitalisiert, kann man durchaus fragen, inwiefern der Allgemeinheit daraus im Gegenzug ein Nutzen entsteht. Üblicherweise würde der Staat über Steuereinnahmen an den Erfolgen der entsprechenden Firmen partizipieren. Genau hier setzt denn auch die Kritik von Mariana Mazzucato an, sind es doch gerade Unternehmen wie Apple, Google, Amazon oder Facebook, die trotz enormer Gewinne und Bargeldreserven seit geraumer Zeit in der Öffentlichkeit unter Druck stehen, weil sie kaum Steuern abführen.
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Jenseits dieser berechtigten Einwände, auf die ich in Kapitel 6 zurückkommen werde, zeigt sich in der analytischen Abstraktion, dass man die quasikeynesianische Praxis des amerikanischen Unternehmerstaates als Teil einer größeren, in der Regel unter dem Dachbegriff Neoliberalismus verhandelten Privatisierung öffentlicher Güter sehen muss, die auch auf anderen Feldern zu einer Digitalisierung des Kapitalismus beitrug. Hierzu zählt etwa die Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte, die in den neunziger Jahren international Fahrt aufnahm und nicht nur Milliarden in die Kassen der nun profitorientierten Netzbetreiber spülte, sondern auch Investitionen für den Ausbau digitaler Infrastrukturen anlockte (Schiller 2011).
Das ordnungspolitische Element des investiven Staates
Kenji Kushida (2015) hat gezeigt, wie verschiedene Liberalisierungsstrategien im Telekommunikationsbereich zum Ausgangspunkt unterschiedlicher nationaler bzw. regionaler Digitalisierungspfade werden konnten. Er unterstreicht zudem, dass der Aufstieg der digitalen Leitunternehmen insofern in gewisser Weise kontingent war, als dieser sich auf der Basis eines Nährbodens entfaltete, der auch ganz anders hätte aussehen können. Kushida erklärt den Aufstieg der Internetgiganten, insbesondere von Google und Apple, aus einer auf den US-Telekommunikationssektor angewandten Vermarktlichungsstrategie, die sich systematisch von den Ansätzen unterschied, die man in der Europäischen Union und in Japan verfolgte. Dort, so Kushida, habe man auf eine andere
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Form der neoliberalen Ordnungspolitik gesetzt und daher in der Nutzung moderner Digitaltechnologie andere Wege
beschritten. Das Ziel der Liberalisierung der
Telekommunikationsmärkte in allen genannten Weltregionen war es dabei, Konkurrenz auf bis dato monopolistischen
Märkten herzustellen und über diesen Mechanismus einerseits Preissenkungen für Konsumenten und andererseits
Investitionen zu fördern. In Europa und Japan kontrollierten in den achtziger Jahren staatliche Telefongesellschaften den
Markt, in den USA hatte mit AT&T ein privatwirtschaftliches Unternehmen eine praktisch unangefochtene Vormachtstellung inne. AT&T wurde nach einem langjährigen
Kartellrechtsprozess 1984 zerschlagen; in Japan und
Großbritannien wurden die staatlichen Telefongesellschaften Mitte der achtziger Jahre privatisiert, in Deutschland und
Frankreich in den Neunzigern.
Die unterschiedlichen Liberalisierungsstrategien erzeugten schlussendlich jene Pfadabhängigkeiten, die sich bis zum Aufstieg der Leitunternehmen des digitalen Kapitalismus verfolgen lassen. Es gilt hierbei drei aufeinander folgende Phasen zu unterscheiden: die initiale Liberalisierung der jeweiligen Märkte, das daran anschließende Wachstum im Mobilfunkbereich und schließlich den Aufstieg des Internets als Basistechnologie mobiler Kommunikation (ebd.: 52). In Deutschland und Frankreich wurde durch die vergleichsweise späte Liberalisierung der Sprung in den Mobilfunkbereich verpasst: Die ehemaligen staatlichen Monopole unterhielten auch nach ihrer Privatisierung enge Verbindungen zu meist nationalen Zulieferunternehmen und konzentrierten sich auf ihr Kerngeschäft im Bereich des Netzbetriebs und der Festnetztelefonie. Dies schuf Raum für skandinavische Firmen wie Eriksson und Nokia, die früh die entstehende Lücke im Mobilfunkbereich besetzen und anschließend auch global expandieren konnten. Handyhersteller, insbesondere Nokia, das diesen Markt bis in die späten nuller Jahre dominierte, waren die Gewinner des europäischen Liberalisierungspfades (ebd.: 55), verpassten allerdings – bei gut gehenden Geschäften im Mobilfunkbereich – den Sprung ins mobile Internet, der sich mit den ersten Blackberrys ankündigte und 2007 mit dem ersten Iphone rasant Fahrt aufnahm.
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In Japan konnten sich dagegen zunächst die Telefongesellschaften durchsetzen und die unterschiedlichen Innovationswellen nutzen. Trotz der Liberalisierung Mitte der Achtziger blieb der japanische Telefonmarkt effektiv bis in die Neunziger für ausländische Unternehmen geschlossen. In diesem Kontext konnte die privatisierte Gesellschaft NTT ihre starke Position nicht nur halten, sondern, gestützt durch massive Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen und eine wohlwollende öffentliche Hand, sogar erweitern. Equipment-Hersteller waren auch weiterhin von der Telefongesellschaft abhängig, die sich große Teile der Wachstumsgewinne im Mobilfunkbereich sichern konnte. Hardware-Unternehmen und Netzbetreiber bildeten ein hochgradig innovatives Tandem, das Pionierarbeit bei der Transition hin zum seinerzeit technologisch fortschrittlichsten Mobilfunkmarkt leistete. Gleichwohl bezahlten japanische Firmen einen hohen Preis für die relative Abschottung vom Weltmarkt, als sich ihr technologisches Ökosystem in den nuller Jahren als schwer internationalisierbar erwies (ebd.: 56).
Diese Phase der Globalisierung der
Telekommunikationsmärkte ist für das Verständnis der Gegenwart entscheidend, waren es doch die großen amerikanischen Konzerne, welche die globale Transformation nutzen konnten. Dass Unternehmen wie Google oder Apple zu dieser Zeit überhaupt in den Startlöchern standen, verdankten sie nicht nur den bereits beschriebenen, vom Staat und anderen Wirtschaftssektoren gesetzten Investitions- und Nachfrageimpulsen. Wichtig war auch die Zerschlagung von AT&T. Anders als in Japan war daher keine Telefongesellschaft präsent, die die neuen Wachstumsfelder sogleich hätte besetzen können. Zudem war es durch die Zerschlagung zu einer Fragmentierung im Bereich innovativer Hardware-Produzenten gekommen, da die Forschungs- und Entwicklungsarbeit bis dato zu einem großen Teil innerhalb des weit verzweigten
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AT&T-Netzwerks stattgefunden hatte. In der Folge warteten hier keine den nordeuropäischen Unternehmen vergleichbaren Mobilfunkpioniere, und US-Firmen konnten nicht von der Transition von Festnetz zu Mobilfunk profitieren. Gleichwohl führte diese relative Schwäche und die Fragmentierung des amerikanischen Markts zu Startvorteilen in der nächsten Phase, als US-Unternehmen beim Ausbau der Infrastruktur des Internets und den mit der neuen Technologie verbundenen Geschäftsmodellen die Nase vorn hatten. Die feindliche Übernahme des Mobilfunkfeldes durch die Computerindustrie (West/Mace 2010; Pon/Seppälä/Kenney 2014), vorbereitet durch einen investiven Staat und die Nachfrage nach digitalen Technologien aus anderen Wirtschaftssektoren, führte zu einer rasanten globalen Restrukturierung der Informations- und Kommunikationslandschaft, bei der insbesondere die proprietären Systeme von Google, Apple und Amazon bis dato unvorstellbare Mengen ökonomischer Macht auf sich vereinigen konnten.
Ökonomische Makrotrends und der investive Staat
Im Grunde verweist auch diese Geschichte auf die zentrale Rolle eines gestaltenden Staates. Am Anfang des Aufstiegs der Leitunternehmen des kommerziellen Internets stand schließlich nicht nur ein investiver Staat, der durch keynesianische Nachfrageförderung und Forschungsinvestitionen zur Expansion des Feldes beitrug. Vielmehr beginnt der Aufstieg des Gafa-Komplexes, paradoxerweise, mit einer besonders radikalen Operation gegen das seinerzeit dominierende Informations- und Kommunikationsmonopol. Die Investitionen des amerikanischen Unternehmerstaates entfalteten ihre Wirkung vor dem Hintergrund einer aktiven Ordnungspolitik, die die Neutralität der betreffenden Märkte durchsetzte.
Alles in allem führt diese historisch-analytische
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Betrachtungsweise des Aufstiegs des kommerziellen Internets zu einem ganz anderen Narrativ als jenem, das das Feld gerne über sich selbst erzählt und in dem libertäre Garagentüftler die Hauptrolle spielen. Nicht allein die Innovationskultur des Silicon Valley, sondern kontingente Maßnahmen der
nationalen Ordnungspolitik stehen am Anfang jenes Pfads, der uns die Leitunternehmen des kommerziellen Internets beschert hat. Nicht in der relativen Isolation der Bay Area, sondern in der systematischen Verbindung mit den entscheidenden
Makrotrends der Restrukturierung des fordistischen
Kapitalismus liegt der Ursprung des digitalen Kapitalismus. Für den Übergang eines sich digitalisierenden globalen
Kapitalismus hin zu einem wirklich digitalen Kapitalismus, der mit dem kommerziellen Internet ein eigenes
Gravitationszentrum entwickelte, ist wiederum eine bisher nicht beschriebene Verbindung entscheidend: jene des
Digitalsektors zu den Finanzmärkten.
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- Finanzkapitalismus online
Der für die jüngere Vergangenheit und Gegenwart wichtigste externe Wachstumsimpuls für den Digitalsektor und die Leitunternehmen des kommerziellen Internets erfolgte in den neunziger und frühen nuller Jahren. Die Öffentlichkeit neigt – von der Selbstdarstellung der Leitunternehmen und den Spindoktoren der Beratungsindustrie nicht unbeeinflusst – dazu, den Aufstieg der Internetgiganten als eine relativ isolierte Geschichte mutiger Entrepreneure an der amerikanischen Westküste zu verstehen. Tatsächlich ist jedoch gerade die letzte Welle der Expansion des Digitalen systematisch mit dem »Finanzmarktkapitalismus« (Windolf 2005) der vergangenen dreißig Jahre verknüpft. Dieser Konnex ist essenziell, wenn man den Charakter des kommerziellen Internets, seiner Leitunternehmen und der um diese Sonnen kreisenden Satelliten richtig einordnen möchte. Die Finanzialisierung der Ökonomie seit den achtziger Jahren spielt dabei nicht nur für das historische Verständnis des digitalen Kapitalismus eine entscheidende Rolle; auch in systematischer Hinsicht wird an den Filiationen zwischen Finanz- und Internetökonomie deutlich, welches ökonomische Programm mit dem Aufstieg der Leitunternehmen des kommerziellen Internets verbunden ist.
Analytisch ist es an dieser Stelle hilfreich, noch einmal zu Schumpeter zurückzukehren. Der Analytiker der »monopolistischen Konkurrenz« hatte es mit einer Ökonomie zu tun, für die Knappheitsprobleme eine reale Gefahr darstellten. Hätten Monopole die Produktionsmenge unter ihre eigentlichen Möglichkeiten gedrosselt, um höhere Preise verlangen zu können, so hätte dies reale Wohlstandseinbußen bedeutet, was wiederum Wasser auf die Mühlen der Kritiker
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der von Schumpeter durchaus bewunderten Großunternehmung gewesen wäre. Apologeten des kommerziellen Internets nehmen das von Schumpeter diagnostizierte Ausbleiben einer solchen Dynamik und die mit den Großkonzernen verbundenen Wohlfahrtsgewinne gerne zum Anlass, die digitalen Leitunternehmen der Gegenwart zu preisen (vgl. Thiel 2014). Tatsächlich geht diese Rechnung nur dann auf, wenn der digitale Kapitalismus die Grundprämisse seines industriellen Vorgängers teilt, der im Kern eine Ökonomie der Knappheit war, weil in diesem Fall die immer effizientere Distribution von Waren und Dienstleistungen den Verbrauchern neue Konsumchancen ermöglichen würde.
Genau diese Voraussetzung – also dass wir es im Kern mit Problemen ökonomischer Knappheit zu tun haben – ist laut einiger einflussreicher Gegenwartsanalytiker (Rifkin 2014; Mason 2016) unter den Bedingungen fortschreitender Digitalisierung nicht länger gegeben. Ihnen zufolge steht ein immer digitaler werdender Kapitalismus notwendig vor der Herausforderung, Güter, die eigentlich im Überfluss vorhanden sind, in kapitalistisch handelbare Waren zu verwandeln. Der digitale Kapitalismus sei seinem Wesen nach eine Ökonomie der Unknappheit, weshalb das Digitale dazu tendiere, den Kapitalismus zu zerstören. Wie ich im Folgenden im Anschluss an und in scharfer Abgrenzung zu solchen Theorien argumentieren werde, teilt der digitale Kapitalismus den Wesenszug der Unknappheit freilich ausgerechnet mit jenem ökonomischen Feld, in dem gerade nicht der Rückzug des Kapitalismus, sondern dessen letzte große Expansionsphase stattgefunden hat: dem Finanzmarkt. An den Analogien und Verbindungen zwischen Digital- und Finanzökonomie zeigt sich daher, dass der Aufstieg einer digitalen Ökonomie der Unknappheit die Prämissen der ökonomischen und soziologischen Analyse digitaler Monopolunternehmen systematisch verändert.
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Ökonomien der Unknappheit und die Propheten des Postkapitalismus
Mit dem Aufstieg des Internets waren von Anfang an utopische Hoffnungen verbunden – nicht nur seitens der oben erwähnten Managementgurus, sondern auch im Lager eines autonomistisch orientierten linken Aktivismus. Ein berühmtes Dokument aus dieser Richtung des »Cyber-Aktivismus« ist John Perry Barlows 1996 veröffentlichte »Declaration of the Independence of Cyberspace«. Barlow formuliert darin als Vertreter einer fiktiven Webgemeinde die Forderung, das Internet müsse als autonomer Raum jenseits staatlicher Jurisdiktion erhalten bleiben, und vertritt die These, eine Selbstverwaltung des Internets sei wünschenswert. Indem er die Forderung nach Freiheit von staatlicher Jurisdiktion mit jener nach Freiheit von kapitalistischen Unternehmen verband, nahm er die Ideen stärker ökonomisch denkender Intellektueller vorweg:
Eure zunehmend überflüssigen Informationsindustrien würden sich künstlich am Leben erhalten, indem sie – in Amerika und anderswo – Gesetze vorschlügen, mit denen sie den Anspruch erhöben, dass die Sprache selbst weltweit ihr Eigentum sei. Die Gesetze würden Ideen schlicht zu einem weiteren industriellen Produkt erklären, nicht wertvoller als Eisen. In unserer Welt hingegen kann alles, was der menschliche Geist erdenkt, in unendlichen Mengen kostenfrei hergestellt und verteilt werden. Die globale Ideenproduktion braucht eure Fabriken nicht mehr.
In einer Welt der unknappen Güter, so Barlow, sei kein Platz für kapitalistische Unternehmungen. In jüngerer Zeit haben unter anderem Jeremy Rifkin (2014) und Paul Mason (2016) umfassende Zukunftsprognosen formuliert und das Modell eines dezentralen selbstorganisierten Internets als Koordinationsinstanz einer weniger stark vermachteten Ökonomie (Rifkin) bzw. eines kommenden »Postkapitalismus« (Mason) ausgerufen. Jenseits des streitbaren Glaubens an die
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effektive Handlungsmacht der über das Internet verbundenen Einzelnen basieren die Argumente dieser Propheten des Postkapitalismus im Kern auf einem einzigen Merkmal des Digitalen: der relativen Unknappheit digitaler und digitalisierter Güter.
Digitale Güter, so das Argument, seien als Daten letztendlich nicht mehr als Zahlenreihen, Informationen. Sind solche Produkte (Webseiten, Musik- oder Filmdateien, Suchzugriffe etc.) erst einmal in der Welt, lassen sie sich zu verschwindend geringen zusätzlichen Kosten (Grenzkosten) vermehren. Deswegen ist dem Gesamtvolumen der Produktion keine einfach zu identifizierende Grenze gesetzt, jedenfalls keine, die der offensichtlichen Ressourcenabhängigkeit eines Landwirtes oder eines Industrieunternehmens entspräche. Im Duktus des ökonomischen Diskurses unterstellt man den Produzenten digitaler Produkte deswegen eine infinite Skalierbarkeit ihres Angebots: Wie viel produziert wird, hängt nicht in relevantem Ausmaß von der Verfügbarkeit von Ressourcen oder Kapital ab, wie das in anderen Branchen der Fall ist. Auf das, was die eine konsumiert, muss ein anderer nicht notwendigerweise verzichten. Diese potenzielle »Nicht-Rivalität« der produzierten und gehandelten Güter stellt laut Rifkin und Mason (siehe außerdem Elder-Vass 2016) das Fundament klassischer Modelle infrage, nämlich die weit verbreitete Annahme Lionel Robbins' (1932), ökonomisches Handeln sei von Knappheit geprägt. Nur knappe Güter können gewinnbringend, also in einem kapitalistischen Sinne, gehandelt werden. Für etwas, das im Überfluss vorhanden ist, wird niemand Geld bezahlen. Der Begriff »Wirtschaft« bezeichnet daher in einem sehr grundlegenden Sinn »die Praxis des gesellschaftlichen Umgangs mit den knappen Ressourcen dieser Welt zur Sicherung der materiellen Produktion« (Sahr 2013: 7) – oder wie Robbins es ausdrückt: »Die Wirtschaftswissenschaften untersuchen menschliches Verhalten als Beziehung zwischen Zielen und knappen Mitteln mit alternativen Verwendungsweisen« (1932: 15). Was nicht knapp ist – oder nicht künstlich verknappt werden kann -, ist